Der Satz “Gastgeber statt Vermieter” steht auf der LOFT1080-Website prominent. Was genau er meint, ist für Außenstehende nicht unmittelbar klar. In diesem Gespräch erklärt Alexander Raffeiner, was hinter der Formel steht, und warum sie für ihn keine Marketing-Phrase ist.


Der Satz ‘Gastgeber statt Vermieter’ wirkt plakativ. Warum ist er für dich trotzdem wichtig?

Weil er eine Unterscheidung trifft, die in der Branche selten gemacht wird. Ein Vermieter gibt einen Raum in einem Zustand ab, der einer Beschreibung entspricht. Ein Gastgeber ist der Raum. Er ist verantwortlich für das, was passiert, nicht nur für das, was ausgestattet ist.

Was bedeutet das in der Praxis?

Dass wir vor jedem Termin wissen, was kommt. Wer die Gäste sind, welches Format geplant ist, welche Allergien jemand hat, ob es sensible Themen gibt. Ein Vermieter bekommt eine Personenzahl und eine Raumreservierung. Ein Gastgeber bekommt einen Kontext.

Das klingt nach Zusatzaufwand.

Es ist Zusatzaufwand. Aber es ist auch die Grundlage für das, was danach möglich wird. Wenn wir wissen, dass eine Gruppe nach einem schwierigen Q1-Quartal zu uns kommt, verstehen wir, warum sie anders reagieren als nach einem guten Quartal. Dann können Dinge vorgeschlagen oder zurückgehalten werden, die zu dieser Stimmung passen.

Kannst du ein konkretes Beispiel geben?

Vor einigen Wochen hatten wir eine Geschäftsführung, die eine schwierige Personalentscheidung im Raum besprochen hat. Wir wussten das vorher. Deshalb stand die Kanne für die Pause im Innenhof statt am Frühstückstisch. Die Gruppe konnte ihre Pause draußen machen, weg vom Meeting-Tisch, und hatte ein bisschen Distanz vom schweren Thema. Das ist nichts, was auf einer Leistungs-Liste steht. Aber es ist Gastgeberschaft.

Die meisten Location-Anbieter würden sagen, sie seien auch Gastgeber. Was ist der Unterschied?

Der Unterschied ist meist struktureller Natur, nicht individueller. Viele Location-Mitarbeiter wären gerne Gastgeber, können es aber nicht sein, weil das Geschäftsmodell darauf nicht ausgerichtet ist. In einem Hotel wechselt das Personal, in einem Konferenzzentrum betreuen sie fünf parallele Veranstaltungen, in einem Coworking sind sie für das ganze Haus zuständig. Gastgeberschaft braucht eine Struktur, in der eine Person einem Termin wirklich zugeordnet ist.

Was bedeutet ‘wirklich zugeordnet’?

Dass eine feste Ansprechperson vor, während und nach dem Termin da ist. Dass unser Team nicht zwischen drei Gruppen wechselt. Dass unser Kalender an dem Tag auf euch ausgerichtet ist, nicht auf das tägliche Geschäft.

Wie skaliert das?

Begrenzt. Wir haben immer nur eine Gruppe gleichzeitig im Loft. Das ist das Maximum. Wer mehrere Gruppen parallel bedient, verliert, was “Gastgeber” bedeutet. Das ist eine bewusste Entscheidung gegen höhere Auslastung zugunsten höherer Qualität.

Ist das wirtschaftlich tragbar?

Ja, weil der Preispunkt stimmt. Wir sind pro Kopf teurer als ein Coworking und teurer als ein durchschnittliches Hotel. Dafür bekommen die Gäste etwas, was sie woanders nicht bekommen. Wiederbuchungen sind bei uns eher die Regel als die Ausnahme. Das rechnet sich.

Was unterscheidet euch von einem Boutique-Hotel?

Ein Boutique-Hotel vermietet Zimmer, nicht den Rahmen. Wir geben euch den Rahmen. Für die Dauer einer Buchung gehört das ganze Loft einer Gruppe. Das ist eine andere Kategorie.

Wie hat sich die Philosophie entwickelt?

Sie ist aus meiner eigenen Erfahrung gewachsen. Ich habe zwanzig Jahre in fremden Meetingräumen gearbeitet, als Berater und Moderator. Ich kenne den Moment, in dem du als Moderator dreißig Minuten brauchst, weil der Beamer nicht funktioniert und niemand zuständig ist. Ich kenne den anderen Moment, in dem einfach jemand da ist, der das Problem löst, bevor es eines wird. Der zweite Moment macht den Unterschied.

Und das wollte ich selbst bauen.

Ja. LOFT1080 ist die konsequente Umsetzung dieses einen Unterschieds.

Wie findet man Menschen, die das Prinzip mittragen?

Das ist schwieriger, als es klingt. Die meisten Menschen, die in der Hospitality arbeiten, haben etwas Service-Mentalität gelernt. Gastgeberschaft ist eine andere Haltung. Sie braucht nicht nur Training, sondern Menschen, die diese Haltung schon mitbringen. Unser Team ist bewusst nach diesem Kriterium aufgebaut.

Hättest du am Anfang gedacht, dass ‘Gastgeber statt Vermieter’ eine so zentrale Formel wird?

Ehrlich: nein. Ich habe sie irgendwann in einem Gespräch gesagt, und es hat sich gezeigt, dass sie die ganze Arbeit zusammenfasst. Manchmal ist das so. Ein Satz ist plötzlich präziser als ein Geschäftsplan.


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