Es ist halb zehn an einem Dienstag im Februar. Auf der Plattform oben steht eine Forscherin, die seit drei Jahren an einer Studie zu einem Gesetzesentwurf arbeitet, und klickt ihre erste Folie weg. Unten am Hauptniveau sitzen zwei Bundesrät:innen, eine Referentin aus einem Ministerium, drei Geschäftsführer:innen aus NGOs, zwei Policy Leads aus Forschungsinstituten und eine MEP-Mitarbeiterin, die zwischen Brüssel und Wien pendelt. Die Koalition von vier NGOs hat sie alle eingeladen. Das Ziel steht auf einer einzigen Karte, die neben dem Whiteboard klebt: einen bestimmten Passus in einer Novelle entweder kippen oder so präzisieren, dass er vor Gericht hält. In den nächsten sechs Stunden wird sich zeigen, ob das möglich ist.

Warum Advocacy Days anders sind als Policy Breakfasts

Ein Policy Breakfast ist symmetrisch. Mehrere Stakeholder tauschen sich aus, jede Seite bringt ihre Perspektive, am Ende kennt man einander besser. Das ist wertvoll, aber es ist noch kein Advocacy Day.

Ein Advocacy Day hat eine Richtung. Eine NGO oder eine Koalition von NGOs ruft ein, und sie ruft ein, weil sie etwas bewegen will: ein Gesetz passieren lassen oder blockieren, einen Regulierungsrahmen schärfen, eine EU-Position vorbereiten, einen Förderpfad offenhalten. Die Evidenz kommt von Wissenschaftler:innen. Die Einschätzung zur politischen Machbarkeit kommt von den Abgeordneten und Ministeriumsreferent:innen im Raum. Die Koalition übersetzt dazwischen.

Das ist keine Konferenz. Das ist ein Arbeitsformat, das am Ende des Tages ein Ergebnis produzieren soll, das sich in Papier, Briefe, Stellungnahmen oder Änderungsanträge überführen lässt.

Warum die Location zählt, auch wenn das Budget klein ist

NGOs arbeiten selten mit üppigen Budgets. Genau deshalb entscheiden sich viele Advocacy-Verantwortliche in Wien trotzdem bewusst für einen Ort, der einen Ticken über dem liegt, was man von einer typischen NGO-Einladung erwartet. Der Grund ist nüchtern: Bundesrät:innen, Ministerialbeamt:innen und MEPs bekommen Einladungen im Wochentakt. Wer ernst genommen werden will, muss den Rahmen so setzen, dass die Teilnahme keine Verlegenheitsentscheidung ist.

Ein Advocacy Day in einem halbleeren Vereinssaal mit Kaffee aus der Thermoskanne kommuniziert etwas, auch wenn es das nicht will. Ein Tag, der in einem ruhigen Loft im achten Bezirk stattfindet, kommuniziert etwas anderes: Diese Koalition hat ihre Hausaufgaben gemacht, die Evidenz ist seriös aufbereitet, und die Gespräche, die hier geführt werden, sind die Zeit der Geladenen wert.

Es geht nicht um Prunk. Es geht um den Registerwechsel, den ein professioneller Rahmen erlaubt. Mehr dazu steht unter Raum.

Was an einem Advocacy Day wirklich passiert

Die Agenda hat in der Regel drei Teile. Erstens: eine saubere Evidenzpräsentation. Die Wissenschaftler:in stellt Daten und Studienergebnisse vor, zwanzig Minuten, mit dem 65-Zoll-Screen auf dem Hauptniveau als Bühne. Zweitens: eine moderierte runde Tisch-Diskussion, bei der Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft die Evidenz durchgehen und benennen, was rechtlich, parteipolitisch und administrativ möglich ist. Drittens: bilaterale Gespräche. Zwei NGO-Vertreter:innen und eine Bundesrätin ziehen sich in den Innenhof zurück, während drinnen parallel ein anderes Gespräch läuft.

Diese dritte Phase ist oft die wichtigste. Kein:e Abgeordnete:r sagt im Plenum einer Koalition die entscheidende Sache. Die Sätze, die eine Kampagne verändern, fallen am Stehtisch beim zweiten Kaffee.

Deshalb braucht ein Advocacy Day zwingend einen Rückzugsort, der nicht die Hotellobby ist.

Warum der runde Tisch wörtlich zu nehmen ist

Wir haben in den letzten Jahren etliche dieser Tage begleitet. Eine Beobachtung, die sich hartnäckig bestätigt: Die Sitzordnung bestimmt mit, wer wie spricht. Eine U-Form mit Pult vorne produziert Vorträge. Eine Stuhlreihe gegenüber einem Podium produziert Fronten. Eine runde oder ovale Tischordnung, bei der sich alle sehen, produziert Gespräche.

Wir stellen auf dem Hauptniveau einen einzigen großen Tisch. Alle sehen sich. Die Forscherin, die gerade präsentiert hat, sitzt mit. Die Bundesrätin, die sonst mit fünf Mitarbeiter:innen hinter sich sitzt, sitzt alleine mit. Das ändert das Gespräch.

Die Pakete, die für diesen Zuschnitt funktionieren, stehen unter Pakete.

Was gut funktioniert, was nicht

Was funktioniert: zwanzig bis vierzig Personen. Darunter wirkt es beliebig, darüber verliert der Tag seine Intimität. Was funktioniert: ein strenges Zeitkorsett. Zehn Uhr Evidenz, elf Uhr Diskussion, eins Uhr Mittag und parallel Bilaterale, drei Uhr Ergebnissicherung, vier Uhr Ende. Abgeordnete haben abends andere Termine.

Was funktioniert: eine feste Ansprechperson aus dem Team, die im Hintergrund läuft und den Raum hält, während die NGO-Geschäftsführerin die Kampagne fährt. Niemand muss sich ums Licht, den Ton, das Catering oder die Technik kümmern.

Was nicht funktioniert: Advocacy Days mit offener Gästeliste. Wer weiß, dass Journalist:innen im Raum sind, sagt andere Sätze als in einer vertraulichen Runde. Und was nicht funktioniert: Agenden, die alle Themen gleichzeitig bearbeiten wollen. Ein Tag, ein Ziel, ein Passus. Mehr ist unehrlich.

Wenn ihr so einen Tag plant

Wir hosten Advocacy Days in unserem Format: eine:r aus dem Team als fixe Ansprechperson, die Technik läuft, der Innenhof steht für die Bilateralen bereit, das Catering ist auf den Zeitplan abgestimmt. Alexander Raffeiner, der Gründer und Eigentümer des Hauses, steht bei Bedarf für das erste strategische Vorgespräch zur Verfügung, wenn die Koalition das einplanen will.

Wenn ihr gerade eine Kampagne plant und einen ruhigen, seriösen Rahmen sucht, schreibt uns über Kontakt mit dem Thema und einem Zielmonat. Wir melden uns mit einem Vorschlag zurück, wie der Tag aussehen könnte.