Ein Head of R&D eines niederösterreichischen Maschinenbauers sagte uns letzten Herbst einen Satz, den wir so noch nicht gehört hatten: “Unsere Entwickler:innen und unsere Produktmanager:innen sitzen dreißig Meter voneinander entfernt und reden einmal im Quartal miteinander, meistens per Teams.” Er war nicht stolz darauf. Er war genervt. Sein Team hatte gerade einen Prototyp fertiggestellt, an dem drei Ingenieur:innen achtzehn Monate gearbeitet hatten, und beim ersten echten Gespräch mit dem Produktmanagement stellte sich heraus: Der Markt, für den der Prototyp gedacht war, hatte sich verschoben. Wer früher gesprochen hätte, hätte sich zwölf Monate Entwicklungsarbeit gespart. Er buchte für Januar einen Tag bei uns, um genau das zu ändern.

Zwei Sprachen, ein Unternehmen

In klassischen Industrieunternehmen, im Maschinenbau, in der Metallverarbeitung, bei den großen Zulieferern und in der Chemie, sitzen R&D und Produkt fast immer in unterschiedlichen Welten. R&D denkt in Patenten, Lastenheften, Werkstoffen, Testreihen, Patentverletzungsrisiken. Produkt denkt in Kund:innen, Segmenten, Listenpreisen, Vertriebszyklen, Margen. Beide Seiten haben recht, und beide Seiten finden, die andere verstehe nicht, worum es wirklich geht.

Das Problem ist selten die Qualität der Menschen. Das Problem ist, dass sie sich einen vollen Tag nie teilen. Die R&D-Leitung hat ihre Montags-Reviews, die Produktleitung ihre Quartalsforecasts, und wenn sie einander sehen, dann in vierzig-Minuten-Slots zwischen zwei anderen Terminen. Ein Innovation Day, richtig gebaut, ist der seltene Ort, an dem beide Seiten sieben bis acht Stunden am Stück denselben Raum teilen.

Was an diesem Tag wirklich entschieden wird

Wir haben in den letzten achtzehn Monaten eine Reihe solcher Tage begleitet, und drei Fragen tauchen immer auf. Erstens: Welche Prototypen aus dem R&D-Portfolio werden in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten zu Produkten? Zweitens: Welche Projekte werden eingestellt, und zwar nicht stillgelegt, sondern aktiv beendet, mit einer offiziellen Kommunikation an das Team? Drittens: Was sind die drei Entwicklungsfelder, in die das Unternehmen in den nächsten achtzehn Monaten wirklich investiert?

Wenn diese drei Fragen am Ende des Tages beantwortet sind, war der Tag seinen Preis wert. Wenn sie am Ende des Tages noch offen sind, war es ein teurer Workshop ohne Ergebnis. Den Unterschied macht selten die Agenda. Den Unterschied macht, ob die Menschen wirklich zuhören, und das hängt am Ort.

Warum nicht im R&D-Labor, warum nicht im Tagungsraum beim Werk

Die meisten Industrieunternehmen lösen das naheliegend: Sie laden ins R&D-Labor oder in den Tagungsraum neben der Produktion. Beides ist praktisch, beides hat Bildschirme, und beides ist falsch. Das R&D-Labor ist Heimspiel für die Entwicklung. Der Tagungsraum beim Werk ist Heimspiel für das Werk. In beiden Räumen schwingt der Satz “so machen wir das hier” mit, leise, aber hörbar, und er macht es unmöglich, wirklich zu entscheiden, ein liebgewonnenes Projekt zu beenden.

Neutralität ist kein Luxus, sie ist das eigentliche Instrument. Wenn die Runde in einem städtischen Altbau in Wien sitzt, eine Stunde vom eigenen Werk entfernt, wird die Stimmkarte anders gelegt. Kein:e R&D-Leiter:in muss auf dem eigenen Teppich ein eigenes Projekt begraben. Kein:e Produktmanager:in spürt den Flurfunk der Entwickler:innen durch die Tür. Du bist weg, und genau das ist die Bedingung für Ehrlichkeit.

Wie ein guter Innovation Day in unserem Loft läuft

Der Vormittag beginnt bei uns am runden Tisch auf dem Hauptniveau. Zehn bis zwölf Personen, R&D und Produkt halbe-halbe, keine Präsentationsordnung, sondern ein moderiertes Gespräch über den Status jedes laufenden Entwicklungsvorhabens. Der 65-Zoll-Bildschirm zeigt CAD-Walkthroughs, Messreihen, Testdaten, und zum ersten Mal seit Monaten schauen beide Seiten gemeinsam auf dieselben Zahlen. Das klingt banal. Es ist in der industriellen Realität oft der eigentliche Durchbruch des Tages. Details zur Ausstattung findest du auf unserer Raumseite.

Nach der Mittagspause geht es in Subgroups. Wir schicken jeweils eine:n R&D-Ingenieur:in mit einer:m Produktmanager:in nach oben auf die Plattform, an den Werkstatttisch, mit einem klaren Auftrag: Bis fünfzehn Uhr pro Projekt eine gemeinsame Einschätzung, Produktreife, Marktfenster, Investitionsbedarf, Go oder No-Go-Empfehlung. Zwei Paare oben, eins am Tisch unten, eins im Innenhof. Dass es mehrere Arbeitszonen in einer Fläche gibt, ohne dass die Paare sich akustisch in die Quere kommen, ist genau der Grund, warum dieses Format in einer Hotel-Konferenzsuite nie richtig funktioniert.

Zwischen den Sessions raus in den Innenhof. Drei Minuten hinter der Glasschiebetür ist es grün, ruhig, die Stadt ist weg. Wir haben in diesem Innenhof schon zwei R&D-Leiter:innen und einen CPO beim Spazieren ein Projekt begraben sehen, das vorher drinnen unantastbar schien. Der Gang zwischen den Sessions ist kein Nice-to-Have, er ist der Ort, an dem die eigentliche Entscheidung reift.

Am Nachmittag: die Roadmap wird sitzend gemacht

Ab fünfzehn Uhr sind alle wieder am runden Tisch, und jedes Subgroup-Paar bringt seine Empfehlung mit. Der Head of R&D und der Chief Product Officer moderieren gemeinsam, und eine klare Tafel füllt sich: oben die Projekte mit Go, mittig die, die ein genaueres Review brauchen, unten die drei bis fünf, die an diesem Tag offiziell eingestellt werden. Wir dokumentieren mit, strukturieren die Ergebnisse am Whiteboard, und am Ende steht eine 18-Monate-Roadmap, die nicht nur beide Funktionen unterschreiben, sondern die am nächsten Montag im Unternehmen auch wirklich kommuniziert werden kann.

Der Tag endet bei uns gerne mit einem späten Getränk an der Bar auf der Plattform, eine halbe Stunde ohne Agenda. Erfahrungsgemäß werden in dieser halben Stunde die informellen Zusagen gemacht, die den Plan danach tragen. Zu den passenden Rahmen für diesen Tagesverlauf findest du mehr unter unseren Paketen.

Was du als GF oder Innovation Director mitnehmen solltest

Wenn du einen solchen Tag für dein Industrieunternehmen planst, denke drei Dinge mit. Erstens: Die Einladung muss von oben kommen, nicht vom Assistenzteam. R&D und Produkt spüren sofort, ob die Geschäftsführung das ernst meint. Zweitens: Keine Powerpoints als Haupt-Medium. Wer zwei Stunden Folien vorliest, verliert den Raum. Drittens: Plane einen Entscheidungsteil ein, der wirklich Entscheidungen verlangt, nicht nur Empfehlungen. Sonst steht ihr in sechs Monaten wieder hier.

Wenn du über ein Datum im ersten Halbjahr nachdenkst, schreib uns an welcome@loft1080.at oder ruf an. Wir schauen uns deine Agenda an, sagen offen, was wir an diesem Tag gut moderiert bekommen und was nicht, und blocken dir einen passenden Tag. Ein Innovation Day ist kein Raum, den du mietest. Es ist ein Tag, den du gemeinsam mit uns baust.