Ein Wiener Architekturbüro, freitags vor Abgabe einer zweistufigen Bauwettbewerbsphase. Vierzehn Menschen: sechs Architekt:innen aus dem Projektteam, die Tragwerksplanerin mit ihrem Assistenten, zwei Landschaftsarchitekt:innen, der Haustechniker, die Bauphysikerin, und ab 14 Uhr zwei Vertreter:innen der Bauherrschaft. Der Projektleiter hat einen ganzen Tag freigeräumt. Und ganz bewusst einen Tag nicht im eigenen Büro. Genau darum geht es in diesem Beitrag.

Warum Architekturbüros für die großen Projekte raus müssen

Ein gutes Architekturbüro ist offen geplant. Lange Tische, hohe Decken, jede:r sieht jede:n, der Plot-Drucker rattert, die Akustik ist so, wie sie eben ist. Das ist für den Alltag richtig. Für den kritischen Projekttag ist es ein Problem.

Denn der Projekttag für ein großes Vorhaben, einen öffentlichen Bau, einen Wettbewerb der zweiten Stufe, einen Masterplan, eine Gewerbe-Großstruktur, braucht etwas anderes als der Alltag. Er braucht einen Raum, in dem das Team nicht zehn Mal am Tag in laufende Parallelprojekte reingezogen wird. Keine Anrufe von der Baustelle an einem anderen Projekt. Keine schnelle Rückfrage vom Junior, der gerade an etwas ganz anderem sitzt. Keine Kollegin, die quer durch den Raum die Werkplanung von Haus B ruft.

Das Projekt hat eine eigene Dynamik, und die braucht einen eigenen Ort für einen Tag oder eine Woche. Das ist keine Flucht. Das ist Regie.

Was an einem Planungstag passiert, wenn er gut läuft

Ein Planungstag ist nicht nur ein Meeting. Er ist drei bis fünf Formate in einem Tag, hintereinander geschaltet. Plan-Kritik am runden Tisch, in der die gesamte Projektmannschaft über einen ausgedruckten Grundriss gebeugt ist und reihum kommentiert. Gruppenskizzen, in denen zwei Teilteams parallel an Varianten arbeiten, großformatig auf Skizzenrollen. Ein 3D-Walkthrough am großen Screen, mit der Bauherrschaft im Raum, Fragen werden direkt am Modell beantwortet. Eine Mapping-Session an der Wand, in der Raumprogramm, Flächen und Nutzungen geclustert werden. Und dazwischen, immer wieder, das kurze Rausgehen: einen Plan im Tageslicht anschauen, zu zweit kurz raus, dann wieder rein.

All das passt in einen Bürotag schlecht. Im eigenen Büro wird es zu einem Tag, an dem das Projekt ständig mit der eigenen Arbeitsumgebung kämpft. In einem anderen Raum ist es ein Tag, an dem das Projekt der einzige Inhalt ist.

Was der Raum dabei leistet

Bei uns im Loft im achten Bezirk funktioniert ein solcher Planungstag, weil der Raum ungefähr die Vielfalt anbietet, die ein Architekturtag braucht. Unten, im Hauptniveau, steht der große Tisch. Das ist der Ort für Plan-Kritik, für die strukturierte Runde, für das gemeinsame Lesen eines Entwurfs. Daneben der 65-Zoll-Screen. Für den 3D-Walkthrough, für die Präsentation des Lageplans, für die Modell-Slideshow, wenn die Bauherrschaft kommt. Die Lounge-Ecke für das Nebengespräch zwischen Tragwerk und Architektur, das nicht an den großen Tisch gehört.

Oben auf der Plattform, ein paar Stufen rauf, steht der große Workshop-Tisch. Das ist die Zone für die Skizzenarbeit, für das parallele Arbeiten in Teilteams, für die Rollen Papier und die Marker. Mit einem eigenen 55-Zoll-Screen, wenn das zweite Team am Modell arbeiten will, während unten am Tisch diskutiert wird. Der Höhenunterschied ist nur ein paar Stufen, aber er gibt zwei Arbeitsgruppen genug Raum, um sich nicht zu stören.

Die Whiteboard-Flächen an den Wänden tragen das Raumprogramm, die Flächenbilanz, die offenen Entscheidungen. Nichts davon muss am Ende des Tages abfotografiert und abgewischt werden. Das Whiteboard bleibt stehen, bis das Team wieder kommt.

Und der Innenhof. Architekt:innen lieben es, einen Plan nach draußen zu tragen. Kurz aus der Raumluft raus, den Ausdruck im Tageslicht anschauen, zu zweit weitergehen, noch einmal in Ruhe auf den Lageplan sehen. Der Hof ist der Ort, an dem die zehn Minuten stattfinden, in denen sich ein Projektleiter und die Tragwerksplanerin wirklich einig werden, was mit der Deckenkonstruktion passiert. In einem Büro ohne Hof verlegt sich dieses Gespräch auf den Gehsteig, zwischen zwei Hupen und einer vorbeigehenden Schulklasse.

Die Skalierung, die bei großen Projekten gebraucht wird

Ein Projektteam für ein bedeutendes Bauvorhaben ist selten klein. Zehn bis zwanzig Menschen sind normal, wenn alle Fachplanungen mitsitzen. Architektur, Tragwerk, Haustechnik, Bauphysik, Landschaft, manchmal Verkehrsplanung, manchmal die Bauherrschaft mit zwei oder drei Personen. Das ist die Größe, die ein Büro-Besprechungsraum meistens nicht trägt, ohne dass es eng wird.

Neunzig Quadratmeter und der Hof tragen das ohne Druck. Zehn bis fünfzehn Personen sitzen bei uns tief konzentriert am Tisch, zwanzig gehen auch noch, vor allem wenn parallel gearbeitet wird und sich die Gruppe zwischen Hauptniveau und Plattform aufteilt. Für die Dichte, die ein guter Planungstag braucht, ist das die richtige Größe.

Der mehrtägige Fall: die Projektwoche

Manchmal reicht ein Tag nicht. Für die heiße Phase eines Wettbewerbs, für die Vorprojektphase eines Großbaus, für die strukturierte Erarbeitung eines Masterplans gibt es den Fall, dass ein Projektteam eine Woche lang an einem Ort zusammenarbeiten möchte. Fünf Tage Konzentration, fünf Tage ein Raum, fünf Tage Whiteboard-Wände, die nicht abgewischt werden.

Dafür gibt es den Season Pass. Flatrate, Schlüssel, 24/7 Zugang, so lange das Projekt läuft. Das Team kann morgens um sieben anfangen, abends um zehn weitermachen, Samstag reinkommen, wenn die Abgabe am Montag ist. Für Büros, die regelmäßig solche Phasen haben, ist das die sauberste Variante.

Wer die Bauherrschaft dabei hat

Ein Detail, das wir oft sehen: der Moment, in dem die Bauherrschaft dazukommt, ist der heikelste Moment des Tages. Das Projektteam hat vier Stunden lang intern gearbeitet, Entscheidungen getroffen, Varianten verworfen. Jetzt sollen die Bauherr:innen reinkommen, ohne dass sich der Ton ändert, ohne dass die Luft raus ist, ohne dass das Team erschöpft wirkt.

Ein neutraler Ort hilft dabei. Die Bauherrschaft kommt nicht in ein Büro, in dem sie das Gefühl hat, in ein Nest einzutreten. Sie kommt in einen Raum, in dem alle Beteiligten gleichberechtigt Gäste sind. Das senkt die Schwelle. Das Projekt wird schneller zum gemeinsamen Gegenstand.

Wenn du so etwas bei uns machen willst

Wir haben in den letzten Jahren einige Architektur-Planungstage bei uns gehabt, von Wettbewerbs-Endspurts bis zu ganzen Vorprojekt-Wochen. Die Setups waren unterschiedlich: mal zwölf Personen einen Tag, mal zwanzig über zwei Tage, einmal ein Team, das zehn Tage am Stück geblieben ist. Wenn du überlegst, ob das für dein Projekt passt, schreib uns eine Zeile an welcome@loft1080.at oder ruf unter +43 1 406 24 24 an. Wir klären am Telefon, wie dein Setup aussieht, welcher Teil des Tages wo stattfinden sollte, und ob Tag oder Woche die richtige Form ist.

Architektur entsteht nicht nur an den Zeichenmaschinen. Sie entsteht auch an den Tagen, an denen ein Team bewusst einen anderen Ort wählt, um an einem Projekt zu arbeiten, das etwas Eigenes verdient.