Mid-Year Leadership Check: Wenn die Geschäftsführung im Juli sagen muss, wie es wirklich steht
Ein halber bis ganzer Tag für das Core Leadership Team im Juli. H1 ehrlich bewerten, H2 neu justieren, verbindlich festlegen, was zählt.
Es ist der zweite Juli. Dienstag, kurz nach halb neun. Die CEO sitzt vor einem Deck, das sie in drei Stunden dem Aufsichtsrat zeigen soll. Auf Folie vier steht eine Zahl, die sie seit zehn Tagen umgeht. Der CFO hat sie gestern abend in einer Slack-Nachricht erwähnt, mit einem Emoji, das irgendwo zwischen Achselzucken und Warnung lag. Das H1-Ergebnis liegt unter Plan. Nicht dramatisch, aber so deutlich, dass niemand mehr ernsthaft sagen kann, das komme in Q3 schon wieder rein.
Zwischen ihrem Büro und dem Aufsichtsrat fehlt ein Termin. Genau dieser Termin ist der, den die meisten Führungsteams im Juli auslassen. Der ehrliche Mid-Year Check mit dem eigenen Kernteam, bevor die externen Zahlen rausgehen.
Warum der Termin so oft verpasst wird
Der Kalender im Juli ist ein schlechter Ort für Strategie. Drei aus fünf Kolleg:innen sind schon im Urlaubsmodus, einer fliegt am Freitag nach Kroatien, die Assistenz plant parallel den August um eine kranke Großmutter herum. Also wird der Halbjahres-Check auf neunzig Minuten komprimiert. In einem Raum, in dem noch das Frühstücksgeschirr vom vorherigen Termin steht.
Dazu kommt das zweite Problem: Das eigene Büro ist selten der richtige Ort für die ehrliche Version. Wenn die CEO im eigenen Glaskasten sitzt, und drei Türen weiter die Finanzabteilung durch den Flur läuft, redet niemand offen über die Zahl, die in H1 unter Plan lag. Der COO formuliert vorsichtig. Der Head of Commercial verweist auf externe Gründe. Die Stimmung rutscht in ein “läuft eh” ab, und nach siebzig Minuten steht man auf, ohne dass irgendetwas beschlossen wurde.
Der dritte Grund ist der psychologisch heikelste. Kein Führungsteam gibt sich gern zu, dass H1 anders gelaufen ist als geplant. Alle haben das Jahresziel im Januar gemeinsam verabschiedet. Jede:r hat Verantwortung für einen Teil davon. Wer als Erste:r sagt, der eigene Bereich liefert nicht, wird im Gruppenreflex sofort zur Schwachstelle. Also redet niemand zuerst.
Was ein Mid-Year Leadership Check wirklich leisten muss
Wir haben in den letzten zwei Jahren mehrere Geschäftsführungs-Teams in genau diesem Termin begleitet, als Gastgeber, nicht als Moderator:innen. Aus diesen Tagen haben wir drei Dinge mitgenommen, die jeder gute Mid-Year Check leisten muss.
Erstens: ehrliche Bewertung von H1 gegen den Plan. Nicht Folien, sondern Zahlen, die live geöffnet werden. Umsatz nach Segment, Pipeline-Coverage, EBITDA, Personalplan versus Ist, die drei bis vier strategischen Initiativen, die im Januar auf dem Plakat standen. Wo liegt ihr, wo nicht, und warum.
Zweitens: die Frage, was sich in H2 ändert. Nicht, weil Ende Juni ein Deckel drauf ist, sondern weil ihr zwischen Januar und Juli etwas gelernt habt, das im Januar noch nicht auf dem Tisch lag. Ein Markt hat sich anders entwickelt. Ein Kunde ist weggebrochen. Ein Produkt-Launch liegt im Zeitplan, aber der Go-to-Market-Ansatz funktioniert nicht. Was davon verändert den Kurs für die zweiten sechs Monate?
Drittens: was ihr verbindlich committet für H2. Nicht zehn Dinge. Drei, vielleicht vier. So formuliert, dass ihr im Januar 2028 ohne Diskussion sagen könnt, ob sie geliefert wurden oder nicht.
Wenn ihr diese drei Fragen ernsthaft beantworten wollt, braucht ihr vier Stunden. Neunzig Minuten reichen nicht. Einen ganzen Tag braucht ihr nur, wenn der Kern sehr groß ist oder ein großer Richtungswechsel auf dem Tisch liegt. Für das typische Core Leadership Team, CEO, CFO, COO, Head of Commercial und CPO, ist der halbe Tag mit festem Start und festem Ende das Format, das am verlässlichsten trägt.
Wie wir das im LOFT1080 aufbauen
Wenn ein Führungsteam uns für diesen Termin bucht, beginnt es meistens gegen neun Uhr am runden Tisch auf dem Hauptniveau. Der 65-Zoll-Screen ist aktiv, der CFO hat sein BI-Dashboard offen, nicht als PDF, sondern live. Das ist wichtig, weil die interessanten Fragen nicht auf Folie vier aufhören. Jemand will einen zweiten Cut nach Segment sehen, ein anderer fragt nach dem Pipeline-Verlauf pro Monat. Der CFO klickt, und die Diskussion bleibt im Fluss.
Die Plattform oben nutzen wir bei diesem Format meistens für die heikleren 1:1-Gespräche, die am Rande eines Mid-Year Checks immer stattfinden. CEO und CPO gehen für zwanzig Minuten nach oben, weil eine Personalentscheidung zu klären ist, bevor sie in der Runde angesprochen wird. Der COO und der Head of Commercial setzen sich an den Werkstatttisch, weil eine operative Reibung zwischen ihren Teams zuerst zwischen ihnen gelöst werden muss.
Und wenn die Zahl auf dem Screen wirklich nicht stimmt, gehen CEO und CFO in den Innenhof. Zehn Minuten zu zweit, ohne dass jemand mithört. Wir haben mehr als einmal gesehen, dass genau diese zehn Minuten den Ton für den Rest des Tages setzen. Wer diesen Schritt nicht machen kann, weil er im eigenen Büro keinen ruhigen Außenraum hat, verliert diese Minuten, oder sie finden nie statt.
Was wir euch empfehlen, wenn ihr den Termin plant
Bucht den Termin nicht für die erste oder letzte Juliwoche. Anfang Juli, zwischen dem dritten und dem zehnten, ist das Fenster, in dem die Zahlen für H1 stabil sind und noch alle im Team präsent sind. Plant vier Stunden, nicht drei. Nehmt eine Person aus der Runde raus, die den Tag nicht inhaltlich führt, sondern nur Ergebnisse dokumentiert, am besten Chief of Staff oder die Management-Team-Koordinatorin. Und verabredet vorher, dass die drei bis vier Commitments am Ende des Tages schriftlich stehen, mit Namen, nicht mit Abteilungen.
Wenn du für ein Führungsteam den Mid-Year Check im Juli planst, sprich uns an. Wir zeigen dir den Raum, und wir erzählen dir, wie andere Geschäftsführungen diesen Tag bei uns aufgebaut haben.
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Schreib uns, was du vorhast. Wir melden uns am selben Werktag mit einem Vorschlag.