Agentur-Pitch: Die Location, die die Kampagnenidee schon andeutet
Warum du deinen nächsten Agentur-Pitch nicht beim Kunden, sondern bei dir zeigst. Und warum die Location ein Teil der Kampagne ist.
Du pitchst nächste Woche gegen drei andere Agenturen. Der Etat liegt bei 1,8 Millionen. Der Kunde hat dich für neunzig Minuten in seinen Boardroom eingeladen, Slot drei von vier, elf Uhr bis halb eins. Und du weißt schon jetzt, dass du in diesem Raum genau so aussehen wirst wie die Agentur davor und die Agentur danach.
Das ist das Problem mit Pitches im Büro des Kunden. Alle Decks leuchten auf demselben Beamer, alle Kreativen sitzen auf denselben Bürostühlen, alle Moderator:innen kämpfen mit derselben Akustik. Dein strategischer Twist, dein visueller Hook, deine gesamte Haltung werden durch das gefiltert, was der Raum sagt. Und der Raum sagt nichts. Oder genauer: Er sagt, dass du austauschbar bist.
Dreh den Pitch um
Die Agenturen, die mit einer überdurchschnittlichen Hit-Rate gewinnen, machen seit Jahren eines anders. Sie bitten den Kunden nicht in sein eigenes Haus, sondern zu sich. Nicht in die eigene Agentur, weil dort zwischen halboffenen Meetings, Küche und Kaffeemaschine zu viel Alltag liegt. Sondern an einen bewusst gewählten Ort, der zur Kampagnenidee passt.
Der Grund ist psychologisch banal und trotzdem wirksam. Wenn dein Kunde deine Einladung annimmt, hat er schon einen Schritt auf dich zu gemacht, bevor du die erste Folie zeigst. Er ist Gast, nicht Gastgeber. Und Gäste hören anders zu.
Was die Location über dich sagt
Jede Location, in der du pitchst, ist eine implizite Aussage über deine Agentur. Ein Coworking mit Tischkicker und Neon-Schild sagt: Wir sind klein, wir sind schnell, wir arbeiten scrappy, wir sind die günstige Option. Manchmal ist das die richtige Botschaft. Oft nicht.
Ein Hotelkonferenzraum in einem 5-Sterne-Haus am Ring sagt: Wir sind groß, wir sind teuer, wir haben Budget. Auch das kann funktionieren. Aber es suggeriert auch, dass deine Agentur eine Firmenzentrale ist, kein kreatives Team. Der Kunde denkt unbewusst: Die Ideen kommen hier nicht wirklich her, die kommen aus einem anderen Raum.
Zwischen diesen Polen liegt der Raum, in dem die meisten mittelständischen Agenturen tatsächlich positionieren wollen. Premium genug, um ernst genommen zu werden. Warm genug, um zu signalisieren, dass hier wirklich gearbeitet wird. Privat genug, dass der Kunde sich nicht beobachtet fühlt. Neutral genug, dass er nicht denkt, er sitze in einer Werbeagentur-Kulisse.
Wie ein guter Pitch bei uns abläuft
Wir sehen diese Konstellation häufig. Eine Agentur bucht bei uns einen halben Tag, kommt um neun, stellt das Deck auf den 65-Zöller auf dem Hauptniveau, prüft die Tonanlage, hängt die zwei Moodboards an die Pinwand, stellt die Produkt-Dummies auf den runden Tisch. Das Team ist um zehn Uhr komplett gesetzt. Kaffee von Bieder & Maier, Wasser, eine kleine Schale mit etwas zum Knabbern. Keine Hektik, kein letztes Kabelsuchen.
Der Kunde kommt um elf. Fünf Minuten Smalltalk am Tisch, kein Stehempfang, keine unangenehme Schwelle. Ihr geht direkt in die Vorstellungsrunde, und der Pitch beginnt. Die Strategie läuft am runden Tisch auf Hauptniveau. Alle sitzen, alle sehen den 65-Zöller, alle sehen einander. Das ist wichtig, weil der Kunde nicht nur auf die Folien schaut, sondern auch auf die Reaktionen deines Teams.
Nach der strategischen Herleitung, meist Minute dreißig bis fünfunddreißig, ändert sich der Modus. Ihr steht auf. Drei Stufen hoch auf die Plattform, zur Bar. Dort läuft der kreative Teil. Die Idee, der Claim, die Filmskizzen auf dem 55-Zöller daneben. Die Körperhaltung ist eine andere, die Konzentration auch. Der Kunde merkt, dass sich der Raum dem Thema anpasst. Das ist kein Trick, das ist ein echter Wechsel, und genau deswegen funktioniert er.
Q&A direkt danach, wieder an der Bar, im Stehen, kürzer und schärfer als sitzend. Dann, und das ist der Teil, den die meisten Agenturen unterschätzen: raus in den Innenhof. Zwanzig Minuten. Kaffee, ein zweiter Kaffee, keine Folien mehr. Das ist die Phase, in der die Entscheidung fällt, auch wenn sie nicht an diesem Tag verkündet wird. Im Innenhof hörst du, was der Kunde wirklich denkt. Welche Folie hängen geblieben ist, was er seinem CEO erzählen wird, wo er noch zweifelt.
Warum der Wechsel in den Hof zählt
In einem Konferenzraum gibt es diesen Moment nicht. Der Kunde steht auf, bedankt sich, geht zurück an seinen Schreibtisch. Alles, was er an Eindruck mitnimmt, ist das, was während der neunzig Minuten offiziell gesagt wurde. In einem Pitch, den du moderiert hast, geht viel der echten Bewertung in den ersten Minuten nach dem offiziellen Teil verloren, weil niemand mehr im Raum ist, der zuhört.
Unser Innenhof ist nicht groß. Zwei Tische, Sitzplätze für bis zu zwanzig, begrünt, vom Straßenlärm der Josefstadt abgeschirmt. Er ist klein genug, dass keine Gruppenbildung entsteht. Dein Kreativdirektor kommt mit dem CMO ins Gespräch, nicht mit deinem eigenen Account Lead. Das ist die Stelle, an der aus einem guten Pitch eine Kundenbeziehung wird.
Was du mitbringst, was wir stellen
Du kommst mit Deck, Team und Produkt. Wir stellen den Raum, die beiden Screens, die Tonanlage, die Moderationstechnik, die Getränke, das Catering, eine feste Ansprechperson aus unserem Team für den ganzen Tag. Wenn der Kunde fragt, ob ihr bei euch pitcht, ist die Antwort: Ja. Er muss nicht wissen, dass der Raum gemietet ist. Er soll nur wissen, dass ihr ihn bewusst gewählt habt, weil er zur Idee passt.
Das ist das Versprechen. Die Location ist bereits Teil der Kampagne. Sie deutet an, wie ihr denkt, bevor die erste Folie läuft.
Wenn du für die nächsten Wochen einen Pitch-Termin hältst und noch nicht weißt, wo er stattfinden soll: Schreib uns mit Datum und grober Teamgröße. Ein Blick vorbei dauert zwanzig Minuten, und du siehst sofort, ob das hier zu deiner nächsten Idee passt. Details zum Raum findest du unter Raum, die Pakete unter Pakete.
Eurer Meeting bei uns?
Schreib uns, was du vorhast. Wir melden uns am selben Werktag mit einem Vorschlag.